Natalie Dessay
Die französische Sopranistin Natalie Dessay, die ihr Publikum auch durch ihr Schauspieltalent begeistert, gehört zu den Opernstars unserer Tage. Sie hat sich mit Paraderollen im Koloraturfach (Offenbachs Olympia, Mozarts Königin der Nacht und Strauss' Zerbinetta) einen Namen gemacht. Heute wird sie als Belcanto-Sängerin und Interpretin großer Frauenfiguren gefeiert: Lucia di Lammermoor, Marie („La Fille du régiment"), Amina („La sonnambula"), Pamina („Die Zauberflöte"), Manon, Juliette und Ophélie („Hamlet").
Natalie Dessay wurde in Lyon geboren und wuchs in Bordeaux auf. Sie wollte zuerst Tänzerin werden, studierte dann jedoch Schauspiel und Gesang am Konservatorium in Bordeaux. Sie machte ungewöhnlich schnelle Fortschritte und beendete zwanzigjährig ihr Studium mit dem 1. Preis. 1989 nahm sie am ersten französischen Concours des Voix nouvelles teil und gewann den 2. Preis. Danach setzte sie ihr Studium an der Pariser Opéra fort und erhielt die ersten Engagements als Solistin.
1992 sang sie ihre erste Olympia in Offenbachs „Contes d'Hoffmann" an der Pariser Opéra Bastille (Inszenierung: Roman Polanski). Im Jahr darauf wurde sie von der Wiener Staatsoper eingeladen, Blondchen („Die Entführung aus dem Serail") zu singen. 1993 war sie Olympia in der Produktion zur Neueröffnung der restaurierten Opéra de Lyon, und 2001 hatte sie diese Rolle bereits in acht verschiedenen Inszenierungen gesungen, darunter ihr Debüt an der Mailänder Scala. Die 1990er Jahre brachten die Königin der Nacht in Aix-en-Provence, Ophélie („Hamlet") in Genf (sie sang diese Rolle auch 2003 am Londoner Royal Opera House und am Liceo in Barcelona, wo die Produktion von Virgin Classics für eine DVD gefilmt wurde), Aminta („Die schweigsame Frau") in Wien, Fiakermilli („Arabella") bei ihrem Debüt an der New Yorker Met. Dann folgten Olympia und Zerbinetta, Lakmé an der Opéra Comique, eine Rolle, die sie für EMI Classics unter Michel Plasson eingespielt hat, Eurydice in Offenbachs „Orphée aux Enfers" in Lyon (für EMI Classics eingespielt), in Paris Morgana in Händels „Alcina" und die Titelrolle in Strawinskys „Rossignol" (ebenfalls als DVD bei Virgin Classics erhältlich). Zu den Dirigenten dieser Aufführungen gehörten Pierre Boulez, James Levine, James Conlon, William Christie und Marc Minkowski.
2001 begann in der Karriere der Sopranistin ein neues Stadium, als sie den lang gehegten Wunsch verwirklichte, die Titelrolle in Donizettis „Lucia di Lammermoor" zu übernehmen. Diese Rolle sang sie 2004 auch in Chicago, 2006 an der Bastille in einer beeindruckenden Inszenierung von Andrei Serban sowie im August 2007 in einer Neuproduktion zur Eröffnung der Opernsaison an der New Yorker Met. Ihre Einspielung der Oper in französischer Fassung ist bei Virgin Classics erschienen. Eine weitere Donizetti-Oper, „La Fille du régiment", brachte ihr 2007 einen triumphalen Erfolg in der launigen Inszenierung von Laurent Pelly in London und in Wien.
Auf ihr Debüt als Amina in Bellinis Oper „La sonnambula" 1998 in Lausanne folgten Auftritte in dieser Rolle in Bordeaux, an der Scala, in Wien (mit Juan Diego Florez) und Santa Fe. Ihre jüngste Interpretation der Amina wurde im November 2006 bei konzertanten Aufführungen der Oper in Lyon mitgeschnitten und soll im Herbst 2007 bei Virgin Classics erscheinen. 2004 debütierte Natalie Dessay als Massenets Manon in Genf; im Herbst 2007 erscheint bei Virgin Classics eine DVD mit David McVicars Produktion aus Barcelona, in der Rolando Villazón als Des Grieux ihr Partner ist.
Natalie Dessay unterzeichnete 1994 ihren ersten Exklusivvertrag mit EMI Classics/Virgin Classics. Neben den bereits genannten Einspielungen enthält ihre bereits mehrfach ausgezeichnete Diskographie Aufnahmen von Mozart (ein Album mit Konzertarien, weitere Opernarien und seine Messe in c-moll), Lieder und Arien von Richard Strauss, Werke von Händel und Monteverdi sowie Alben mit französischen Arien und Vocalises. Ihre Doppel-CD- und DVD-Kompilationen „Le Miracle d'une voix", die ihr überragendes Können als Sängerin und Schauspielerin dokumentieren, wurden mit über 250.000 verkauften Exemplaren ein riesiger Erfolg. Sie selbst wurde für diese Aufnahme u.a. für einen französischen Diapason in der Kategorie „Artist of the year 2007" nominiert.
Nach der Veröffentlichung von „La sonnambula", Massenets „Manon" auf DVD, Bachs „Magnificat" und Händels „Dixit Dominus" mit Emmanuelle Haïm und Le Concert d'Astrée in diesem Herbst soll im kommenden Winter ein Soloalbum mit italienischen Opernarien von Bellini, Donizetti und Verdi mit dem Concerto Köln unter der Leitung von Evelino Pidò erscheinen.


