Ian Bostridge
„Er ist ein Geschichtenerzähler und Sänger-Schauspieler par excellence, mit einer immensen Bandbreite emotionaler Ausdruckskraft", schrieb der Evening Standard 2007. Ian Bostridge fesselt jedoch nicht nur durch eine außergewöhnliche Stimme, sondern auch durch eine interessante Biografie: Er studierte zunächst Geschichte und Philosophie in Cambridge und Oxford, wo er 1990 über Hexerei promovierte. Erst nachdem er 1991 mit dem National Federation of Music Societies/Esso-Award ausgezeichnet und von der Stiftung Young Concert Artists gefördert worden war, begann seine Karriere als Sänger. Inzwischen gilt der Tenor als renommierter und international gefragter Interpret des klassischen Repertoires wie auch der zeitgenössischen Moderne.
1993 gab Ian Bostridge sein Debüt und 1995 sein erstes Solorecital in der Wigmore Hall. Als Konzertsänger tritt Bostridge auf den internationalen Festivals sowie in allen großen Konzertsälen der Welt auf, u.a. mit den Berliner Philharmonikern, den Wiener Philharmonikern, den Orchestern der Chicago Symphony, Boston Symphony, London Symphony, London Philharmonic, BBC Symphony, Rotterdam Philharmonic, Royal Concertgebouw Amsterdam, New York Philharmonic, Los Angeles Philharmonic und dem Orchester der Metropolitan Opera unter Dirigenten wie Sir Simon Rattle, Sir Colin Davis, Sir Andrew Davis, Seiji Ozawa, Riccardo Muti, Mstislav Rostropovich, Daniel Barenboim, Daniel Harding, Donald Runnicles, James Levine und Antonio Pappano.
Sein Opern-Debüt gab Bostridge 1994 als Lysander in Brittens „A Midsummer Night's Dream" beim Edinburgh Festival. 1995 debütierte er an Covent Garden als Narraboth in „Salome", 1996 als Tamino in Mozarts „Zauberflöte" an der English National Opera und 1997 als Quint in Brittens „The Turn of the Screw" wiederum an Covent Garden. Sein von Publikum wie Fachpresse umjubeltes Debüt an der Wiener Staatsoper feierte Ian Bostridge 2006 als Don Ottavio in Mozarts „Don Giovanni".
1999 gestaltete Bostridge in der Kölner Philharmonie die Uraufführung der „Sechs Gesänge aus dem Arabischen", die Hans Werner Henze eigens für ihn komponiert hat. 2002 erschien der Liederzyklus „Tagebuch eines Verschollenen" von Janácek. Weitere Aufnahmen von Bostridge betreffen u.a. Barockmusik bei Virgin Classics, so Monteverdis „Orfeo" sowie Purcells „Dido and Aeneas".
Für seine Aufnahmen als EMI-Exklusivkünstler (seit 1996) erhielt Ian Bostridge bereits zahlreiche Preise, so u.a. mehrmals einen Choc de l'Année du Monde de la Musique; 1999 den begehrten britischen Time Out Classical Music Award sowie 2000 den Critics' Choice Classical Brit Award für sein Album „The English Songbook". 2003 wurde seine Aufnahme mit Brittens „The Turn of the Screw" als beste Opernaufnahme des Jahres mit einem Diapason d'Or sowie einem Gramophone Award geehrt. Die CD-Veröffentlichung der Orchesterlieder Benjamin Brittens (2005 von Bostridge und den Berliner Philharmonikern unter Simon Rattle bei den Salzburger Osterfestspielen vorgestellt) wurde mit einem Preis der Deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet sowie für einen Grammy 2006 nominiert. Im Februar 2009 wird die 2007 live im Londoner Barbican Centre mitgeschnittene konzertante Aufführung von Brittens „Billy Budd" mit Bostridge als Captain Vere erscheinen.
In Deutschland wurde Bostridge besonders mit Schumann- und Schubert-Einspielungen bekannt. 2004 erschien Schuberts „Winterreise" mit dem Pianisten Leif Ove Andsnes - laut The Times „eine der bedeutendsten Musikpartnerschaften der Gegenwart" - womit beide u.a. auch beim Schleswig-Holstein-Festival, in Berlin, England, Kanada und den USA gastierten. 2007 folgte Schuberts Sonate c-moll D 958. Zusammen mit der Pianistin und Schubert-Expertin Mitsuko Uchida spielte Bostridge 2005 den Schubert-Liederzyklus „Die schöne Müllerin" ein. Ab Februar 2009 wird Schuberts „Schwanengesang" mit Antonio Pappano am Klavier, mit dem Bostridge bereits 2006 Liedrepertoire Hugo Wolfs eingespielt hat, im Handel erhältlich sein.
Ian Bostridge lebt mit seiner Frau, der Autorin und Literaturkritikerin Lucasta Miller, und ihren beiden Kindern in London. Seine aktuelle Diskografie und Tourdaten finden Sie unter www.ian-bostridge.de.
Januar 2009


